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Hafengeschichte

Foto © Stadtmuseum OldenburgUm 1900 begann eine Blütezeit für den Oldenburger Hafen. Die Schiffe brachten Kohlen und Erze aus dem Ruhrgebiet und Kolonialwaren aus Übersee in die Huntestadt. Am Hafen entstanden Löschvorrichtungen und größere Lagerhäuser. Durch den weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur wurden Wasser- und Schienenwege so miteinander verzahnt, dass sich der Binnenschifffahrtshafen als wichtiger Umschlagsort behaupten konnte.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgEine zeittypische Ansicht vom mittelalterlichen Stau vermittelt ein Stich von Wenzel Holler aus dem Jahre 1657. Im Hafen liegen einige Segelschiffe vor Anker, dazwischen ein paar Schuten. Im Vordergrund ist ein Zollhaus zu sehen.

 

Foto © Stadtmuseum Oldenburg1855 wurde auf der Halbinsel ein Postgebäude gebaut, das 1901 durch ein neues Gebäude ersetzt wurde und sich bis heute hier befindet. Der charakteristische Kreisverkehr rund um das Stautor-Café entstand 1963.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgIm Jahre 1800 entstand im vorderen Teil des Staus eine Zuckerfabrik. Nach einem Besitzerwechsel 1862 und einer Umnutzung des Wohnhauses des ehemaligen Geschäftsführers Bulling entstand das „Hotel de Russie“. Das Hotel, das nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges in „Preußischer Hof“ umbenannt wurde, wurde 1966 abgerissen und es entstand ein Hochhausneubau.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgAlte Ansichten vom Stau aus dem 19. Jahrhundert zeigen neben einer gewerblichen Geschäftigkeit stets auch Windmühlen, die in verschiedenen Gewerbebetrieben als Antriebskraft genutzt wurden. Um 1850 waren am Stau vier Mühlen aufgestellt. Im Zusammenhang mit dem Aufschwung des Oldenburger Überseehandels in den 1850/60er Jahren gewannen auch Gewerbebetriebe, die eng mit der Schifffahrt verbunden waren, immer mehr an Bedeutung. So siedelten sich neben Maschinenbaufabriken auch Eisengießereien am Stau an.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgUrsprünglich verlief die Hunte in einem halbkreisförmigen Bogen, der etwa 300 m lang war, bis zum Ende des Staus unterhalb der Stadt. 1845/46 wurde dieser Abschnitt begradigt und ein Hafenbecken angelegt. Die Straße, die am neuen Flussbett entlangführte, erhielt 1864 den Namen Hafenstraße. Der einstige Flussverlauf ist an der bogenartigen Form der Straße, die seitdem Stau heißt, zu erkennen.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgDer heutige „Schwan“ wurde 1885 gebaut. Wegen seiner ausgewogenen Fassadengliederung und Proportionen wird das Gebäude von Denkmalschützern als gelungenes Beispiel klassizistischer Baukunst eingestuft. Es teilt die Hafenstraße und den Stau. Ursprünglich betrieb der Eigentümer Heinrich Reiners hier eine Gastwirtschaft. Nach einem Besitzerwechsel durch Heinrich Bernhard Abrahams im Jahre 1904 diente das Gebäude als Hotel und Restaurant, das Hansa-Hotel. 1919 übernahm Friedrich Wilhelm Kuhlebert das Hotel, das ab 1928 von seiner Witwe fortgeführt wurde. 1934 erfolgte die Umbennenung in „Hotel Reichshof“, wo außerdem die Deutsche Arbeitsfront, Gauverwaltung Weser-Ems, Büros für verschiedene Fachvereine eingerichtet hatte. 1951 kaufte die Stadt Oldenburg das Gebäude und verpachtete es an die Oldenburger Speditions- und Lagerhausgesellschaft Nindel & Röwekamp. Ab 1971 nutzte die Stadt das leerstehende Gebäude als Lagerhaus. 1982 beantragte die Stadt den Abbruch, scheiterte jedoch am Widerstand der Denkmalschutzbehörde. 1990 begann die Sanierung des Gebäudes und seit 1991 gehört „Der Schwan“ zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Stadt.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgEinen besonderen Einfluss auf die Seeschifffahrt übte die Glashütte aus, die 1845 in Osternburg gegründet worden war. In Folge der Expansion der Glashütte wurden Flaschen mit Segelschiffen nach England, Schottland, Irland, Spanien und Portugal befördert. 1880 wurde eine eigene Reederei, die OPDR, (Oldenburg-Portugiesische Dampfschiffs-Rederei) gegründet, die heute noch in Hamburg besteht. Die Oldenburgische Glashütte wurde 1983 stillgelegt. Auf dem Gelände errichtete Peguform1986 ein neues Werk für die Produktion von Kunststoffteilen und Stoßfängern.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgEine wichtige Rolle in der Geschichte der Stadt spielte der Schiffbau. Zunächst baute die Brand Werft Segelschiffe aus Holz, ab 1920 begann sie mit dem Bau von Eisenschiffen. Den Anschluss an den internationalen Markt erzielte sie ab den 1970er Jahren mit dem Bau von Spezialschiffen, mit Flüssiggas- und Chemietankern. Im August 1997 folgte schließlich das endgültige Aus der Werft. Weit über 100 Neubauten waren seit 1950 vom Stapel gelaufen. Die Werft war über fünf Generationen als Familienbetrieb geführt worden und hatte 144 Jahre lang das Bild des Oldenburger Hafens wesentlich geprägt.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgAm Stau wurde die Umschlagsstelle der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft (LZG), die dort seit 1936 ansässig war, erweitert. Darüber hinaus errichtete die Rhenus AG einen neuen Hafenspeicher und die Firma J. Müller einen rund 45 m hohen Silo für Getreide. Das Bild des Hafens veränderte sich nochmals in den 1970/80er Jahren. Die LZG, die seit 2004 als Agravis Raiffeisen AG firmiert, errichtete einen 77,5 m hohen Speicher für 20000 t Futtermittel und installierte eine weitere Löschanlage.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgDurch den Ausbau des Hafens und der Wasserstraßen in den vergangenen Jahrzehnten blieb der Standort für die Rhein-Umschlag GmbH & Co KG attraktiv und sie expandierte entsprechend. Im Hafen von Oldenburg werden Baustoffe wie Kies, Sand, Splitt, Natursteine, Eisensteine und Zementklinker umgeschlagen, zudem handelt das Unternehmen mit Futtermittel und Dünger.

 

Foto © Stadtmuseum OldenburgDa der alte Stadthafen kaum noch Erweiterungsmöglichkeiten bot, plante die Stadt Oldenburg einen neuen Industriehafen hunteabwärts in den Donnerschweer Wiesen. Im Herbst 1982 wurde mit den Erschließungsarbeiten begonnen und zwei Jahre später konnte der Osthafen in Betrieb genommen werden.

 

Foto © Stadtmuseum Oldenburg Foto © Stadtmuseum Oldenburg Foto © Stadtmuseum OldenburgParallel zum Ausbau des Osthafens fand eine Umnutzung des alten Hafens statt. Die ehemals charakteristische Silhouette aus industriellen Anlagen wie das Lagerhaus der Rhenus AG, der rund 50 m hohe Silo der Firma J. Müller und die alte städtische Kranbahn verschwanden 1987 aus dem vertrauten Hafenpanorma, um für die neue Arbeitsagentur Platz zu schaffen und das Hafenbecken für Freizeitschiffer umzunutzen. Der Hafen geriet wegen seiner stadtnahen Lage zunehmend auch in das Blickfeld von Stadtplanern. Im Kontext der sich wandelnden Vorstellung vom Wasser setzen die Planer vor allem auf die Faszination, die vom Element Wasser für Freizeit und Erholung ausgeht.

 

Impressum:
Text: Dr. Lioba Meyer

Bildnachweis:
Wenn nicht anders angegeben Stadtmuseum Oldenburg
Christine Pleus
Robert Geipel

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